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Piwis im Hoch - wie schon einmal

Aktualisiert: 5. Juni

Wussten Sie, dass im Jahr 1958 in Frankreich 400'000 Ha mit sogenannt hybriden Rebsorten (nach heutiger Bezeichnung sind das PIWI-Sorten) bepflanzt waren? Das waren 31 % der Rebfläche in Frankreich. Aus diesen Trauben wurden Tafelweine hergestellt. Wie kam es dazu? Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der europäische Weinbau in zunehmendem Masse von zahlreichen Problemen bedroht (Reblaus, Echter Mehltau, Falscher Mehltau etc.). Resistente Sorten versprachen eine Lösung. Sorten aus Kreuzungen mit Wildrebenarten sollten die europäische Vitis Vinifera schrittweise ersetzen. Ihr Flächenanteil nahm ab 1870 in Frankreich kontinuierlich zu. Einige Sorten waren beliebt bei den Winzerinnen und Winzern, weil der Ertrag gut war und die Resistenz gegen Pilzkrankheiten hielt. Der Haken: Die Weinqualität war ungenügend. Der genetische Anteil der Wildrebe war in diesen Sorten hoch. Die Weinhäuser waren nicht begeistert von diesen Weinen. Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelten sich wirkungsvolle Pflanzenschutzmethoden auf chemisch-synthetischer Basis und die europäischen Sorten bekamen wieder eine Chance. Ab 1960 nahm der internationale Weinhandel Schwung auf und kurbelte die Nachfrage nach hochwertigen, französischen und traditionellen Weinen an. Nun bestimmten wieder europäische Sorten das Geschehen. Negative Umweltwirkungen von Pflanzenschutzmitteln waren damals noch kein Thema. Der neue Erfolg der alten Sorten wollte geschützt werden, vor allem weil Chemiekonzerne grosse Gewinne witterten und dadurch versuchten, Einfluss auf die Weingesetzgebung zu nehmen. Im Rahmen der Vorschriften für Ursprungs-bezeichnungen (appellation d'origine contrôlée AOC) wurden Weine von hybriden Sorten sogar untersagt. Die Flächen schrumpften in der Folge. 1980 waren bereits nur noch 100'000 Ha mit resistenten Sorten bepflanzt. In vielen Ländern und zum Teil auch in der Schweiz sorgen diese Gesetze bis heute dafür, dass sich die Piwis nur langsam oder zum Teil gar nicht ausbreiten können.


Heute werden in Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz viele neue Piwis gezüchtet und auf den Markt gebracht. Dank neuen Kreuzungs- und Zuchtmethoden weisen diese heute sogar mehrere Resistenzen auf und der Anteil der Wildrebe ist verschwindend klein. Piwi-Weine haben geschmacklich keine Nachteile und werden gerade in der Schweiz immer beliebter. Aktuell besteht die Barriere vor allem im Kopf der Konsumenten und Journalisten. Trotz zunehmendem Druck auf den Weinbau, ökologischer zu werden und seinen Umwelteinfluss drastisch zu senken, ist keinesfalls sicher, dass den Piwis nicht noch einmal widerfährt, was Ihnen schon einmal widerfahren ist. Nach wie vor sind Chemie-Multis im Weinbau sehr mächtig.

 

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