Publikation: 05.04.2021


Entstehung der biologisch-organischen Wirtschaftsweise

Die heute schlicht «Bio» genannte Wirtschaftsweise hat ihren Ursprung im englischen Sprachraum und fand ihren Einzug in der Schweizer Landwirtschaft nach dem zweiten Weltkrieg, als die ersten Bauern nach dieser Wirtschaftsweise zu arbeiten begannen. Bio war eine Alternative zum biologisch-dynamischen Weg, der einfacher zu verstehen und umzusetzen war.

 

Ab den 50er Jahren erhielten die Pioniere erste wissenschaftliche Unterstützung, wonach sich bis in die 70er Jahre viele Gruppierungen mit dem Zweck der biologisch-organischen Wirtschaftsweise bildenten. Erst 1976 formierten sich all diese Strömungen und Vereine zu einer Initiative, mit dem Ziel, die verschiedenen biologische Richtlinien zu vereinheitlichen und auf Ebene Bund, die offizielle Anerkennung zu realisieren. 1981 reichte die Koordinationsgruppe die Richtlinien beim Bund ein und noch im gleichen Jahr, wurde zusammen mit dem FiBL, Demeter und weiteren Organisationen die VSBLO gegründet, die Vorgängerorganisation von BioSuisse. Nach langem Kampf mit dem BAG und Bundesrat Egli, wurde 1992 – 11 Jahre später – die biologisch-organische Wirtschaftsweise rechtlich anerkannt und damit Subventionsberechtigt. 2016 bearbeiteten 6500 Bio-Betriebe rund 13% der landwirtschaftlichen Fläche biologisch.

 

Wer biologisch arbeitet, düngt organisch, verzichtet auf chemisch-synthetischen Pflanzenschutz und gentechnisch veränderte Organismen. Besonderes Augenmerk wird auf die artgerechte Tierhaltung und die Intensität der Nutzung gelegt. Eine einheitliche Definition gibt es nicht, weil jeder Verband und jedes Land seine Richtlinien und Verordnungen selber schreibt.

Der weltweite Verband für biologische Landwirtschaft IFOAM hat für den Biolandbau folgende Grundprinzipien formuliert:

  • Prinzip der Gesundheit: Der Ökolandbau soll die Gesundheit des Bodens, der Pflanzen, der Tiere, des Menschen und des Planeten als ein Ganzes und Unteilbares bewahren und stärken.
  • Prinzip der Ökologie: Ökolandbau soll auf lebendigen Ökosystemen und Kreisläufen aufbauen, mit diesen arbeiten, sie nachahmen und stärken.
  • Prinzip der Gerechtigkeit: Ökolandbau soll auf Beziehungen aufbauen, die Gerechtigkeit garantieren im Hinblick auf die gemeinsame Umwelt und Chancengleichheit im Leben.
  • Prinzip der Sorgfalt: Ökologische Landwirtschaft soll in einer vorsorgenden und verantwortungsvollen Weise betrieben werden, um die Gesundheit und das Wohlbefinden der jetzigen und folgenden Generationen zu bewahren und um die Umwelt zu schützen.

(Quelle: Biowissen - Fakten und Hintergründe zur biologischen Landwirtschaft und Verarbeitung Version 2017)

 

Erfahren Sie mehr über die Geschichte des Biolandbaus in der Schweiz:


Buchtip

Damit wir auch in Zukunft eine Zukunft haben

Autorin: Christine Loriol

Herausgeber: elfundzehn

Format: Fester Einband

Veröffentlicht: 21.10.19

CHF 35.00

  • auf Bestellung

Auszug aus dem Buch "Damit wir auch in Zukunft eine Zukunft haben", Christine Loriol, 2019:

Ernst Frischknecht ist Biopionier geworden, dabei hätte er 1972 seinen Betrieb in Tann-Dürnten am liebsten heimlich auf biologischen Landbau umgestellt. Aber Frischknecht war eben immer ein Fragender und Forschender. Er war Bauer, Biobauer und Politiker. 1993 hat er als Biosuisse Präsident den ersten Vertrag mit Coop Naturaplan unterzeichnet und damit Geschichte geschrieben. Frischknecht ist oft zu weit gegangen und manchmal auch vielleicht gerade deshalb, zu wenig weit gekommen. Er traut den Generationen, die nach ihm kommen etwas zu. Christine Loriol stellt ihn, sein Wissen und seinen Weg ins Zeitgeschehen: Dieses Buch zeigt eindrücklich, wie Pioniere wie Erst Frischknecht von Berufskollegen/innen und Konsumenten angefeindet, beleidigt und beschimpft wurden. Es braucht viel Überzeugung und Vertrauen in den Weg den man geht, wenn man so etwas aushalten will. Im Buch wird der Weinbau nicht explizit erwähnt. Aus Gesprächen mit Bruno Martin, einem Pionier der ersten Stunde im biologischen Weinbau und aus Zeitungsartikeln wisse wir, dass bis tief in die 90er Jahre eine hässliche vor allem verbal geführte Schlacht ausgetragen wurde. Die Klimabewegung sowie die jüngste «grüne Welle» verleihen diesem Buch Aktualität und Dringlichkeit. Es geht um Verantwortung und Vertrauen, um Zukunft und Zuversicht. Ernst Frischknecht hat dazu etwas zu sagen.

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