Deutschland

In Deutschland sind über 100'000 ha mit Reben bestockt und daraus werden rund 9,2 Millionen Hektoliter Wein produziert.

Wein-Deutschland ist in 13 Anbaugebiete unterteilt. Die Hessische Bergstrasse ist mit 452 ha das kleinste Gebiet und Rheinhessen mit über 26'500 ha als grösstes Gebiet nahezu doppelt so gross wie die ganze Schweizer Rebfläche.

 

Obwohl so viel Wein darauf schliessen lässt, dass der Sortenspiegel immens und nicht überschaubar ist, hat in Deutschland glück. Denn es gibt eine klare Leitsorte, schon fast eine heilige Sorte. Den Riesling. Wenn Sie den kennen, kennen Sie schon viel. Aber Achtung es gibt nicht den Riesling. Jede Region pflegt seinen eigenen Riesling-Stiel.

Mit Riesling sind über 22% der Anbauflächen bestockt, die Nummer zwei ist Müller-Thurgau mit etwas über 12%. Beliebt in Deutschland sind vor allem die Burgundersorten. Darum erstaunt es nicht das mit knapp 12% der Spätburgunder (Blauburgunder oder auch PinotNoir) die Leitsorte bei den Rotweinen ist. Der Sortenspiegel kann je nach Region stark ändern und ist immer auch geprägt von den regionalen Gesetzgebungen.

 

Leider und auch zu unrecht stehen Deutsche Weine nicht auf dem Wunschzettel Schweizer Konsumenten. Ein Grund dafür sind sicherlich beträchtliche Qualitätsunterschiede (Weinbau auf Masse ist auch heute noch verbreitet) und das die Deutschen Weine das schlechte Image, dass sie meist zu unrecht tragen, nicht loswerden. 

 

Für mich gehört Deutschland zu einem der spannendsten Weinländer in Europa, auch wegen des Rieslings. Früher waren Deutsche Rieslinge das was heute Bordeaux und Burgunder sind. Für alte gereifte Rieslinge werden heute noch astronomische Preise bezahlt.

Mein Ziel ist es ihnen Deutsche Weine näher zu bringen die Spass machen und ihnen etwas auf den Gaumen zaubern was sie in der Schweiz nicht finden. Wer gerne knochentrockene oder zuckersüsse Weissweine mag, wird genauso auf seine Kosten kommen wie der Liebhaber von kräftigen Rotweinen. Begleiten Sie mich auf eine kleine Tour durch Wein-Deutschland.

Baden

Kein anderes Anbaugebiet ist so vielfältig wie Baden, das entlang der Oberrheinischen Tiefebene von Tauberfranken über das Kraichgau und die Badische Bergstraße bis zum Bodensee reicht. Die neun Bereiche, in die das 400 km lange Gebiet aufgeteilt ist, sind landschaftlich und klimatisch recht verschieden. Im Rahmen von Flurbereinigungen und zum Zweck der Rationalisierung hat man viele Weinberge in den vergangenen Jahrzehnten nahezu völlig neu gestaltet. Die Rebfläche wurde dadurch erheblich vergrößert, dabei blieben ökologische Aspekte jedoch zuweilen auf der Strecke. Die meisten Weine werden von Winzergenossenschaften vermarktet.

 

Heute stellt das Weinbaugebiet Baden mit 16.000 ha Rebfläche und einer Produktion von 1,3 Millionen Hektoliter Wein das drittgrößte Anbaugebiet Deutschlands dar. Mit gut 58% ist auch in Baden der Weisswein vorherrschend. Den Sortenspiegel führt aber der Spätburgunder mit 35% an.

Berühmt ist Baden für seine Burgundersorten, die sich in dem hiesigen überdurchschnittlich warmen Klima besonders wohl fühlen, wie Spätburgunder, Chardonnay, Weißer und Grauer Burgunder, Auxerrois. Daneben sind es der spritzigleichte Gutedel vom Markgräflerland, der saftige Müller-Thurgau, der vollmundige Silvaner oder auch der charmante Schwarzriesling, die häufig angebaut werden. Der rassige, feinblumige Riesling ist typisch für die Ortenau, wo er die meist angebaute Sorte ist.

 

Meine Weine kommen alle aus dem Markgräflerland. Auf den Hügeln zwischen Schwarzwald und Oberrhein verteilen sich etwa 3100 Hektar ausgezeichnets Rebland, das zum Grossenteil aus einer mehrere Meter dicken Lössschicht besteht. Man findet jedoch auch tonige Lehm- und schwere Mergelböden, die an den Hanglagen von Urgestein abgelöst werden. Zusammen mit dem feuchtwarmen Klima bietet der wasserspeichernde Untergrund ideale Bedingungen für den Gutedel (Chasselas), der sonst in keinem anderen deutschen Weinanbaugebiet größere Bedeutung hat. Diese Sorte ist mit ihrer mollig-zartschmelzenden und doch frisch anmutenden Textur einzigartig. 

 

Nahe

Obwohl diese Region zwischen Mosel und Rhein bereits 1935 in einer staatlichen Verfügung als eigene Weinbauregion bezeichnet worden ist, wurden die heutigen Grenzen des Anbaugebiets Nahe erst mit dem Weingesetz 1971 festgelegt. Damit wurde es für die hiesigen Winzer zur Pflicht, »Nahe« auf dem Etikett auszuweisen. Vorher war es noch weit verbreitet, die Weine aus dem Nahetal als »Rheinweine« zu verkaufen.

Die Anbaufläche beträgt gut 4200 ha die gut 243'000 Hektoliter Wein ergeben (knapp 6% der deutschen Gesamtproduktion). Mit einem Anteil von 75% ist die Nahe eine Weisswein-Region. Die dominierende Sorte ist der Riesling mit 28%.

Oft ändert sich alle hundert Meter der Boden, und jede Formation verändert den Geschmack des Weines ein wenig. So sind die Weine sehr vielfältig – und zuweilen ergeben sich deutliche Unterschiede innerhalb einer Rebsorte. Wenn man die Weine der Nahe auf einen gemeinsamen Nenner bringen möchte, so sind sie in der Regel sehr ausgewogen und fruchtig, oftmals auch mineralisch.

Im späten 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts standen die Weine der Nahe international hoch im Kurs. Sie lagen im Preis noch über den Weinen aus Bordeaux. Nachdem sie anschließend lange ein Schattendasein führten, gehören Naheweine inzwischen immer häufiger zur Riege der internationalen Spitzenweine. So dürfte eine Weinreise an die Nahe bald kein Geheimtipp mehr sein.