Rosé

Damit wir das zu Beginn gerade mal klargestellt haben, Roséweine sind kein Verschnitt aus Rot- und Weissweinen. Egal ob bei weissen oder roten Trauben, die Farbe sitzt in der Schale. Das Fruchtfleisch und damit der Saft ist bei jeder Traubensorte hell. Rot wird der Saft ausschliesslich durch den Kontakt mit den Beerenschalen, der Maische. Somit ist klar, dass ein Roséwein aus roten Trauben bestehen muss, da eine Weissweintraube zu wenig Farbpigmente hat für einen Roséwein . Ob ein Rosé ein blasses rosa oder lachsfarben ist, hängt mit dem Maischekontakt zusammen. Je länger der £Kontakt, je mehr Farbe wird ausgewaschen. Dabei geht es aber lediglich um Stunden oder sogar nur Minuten.

 

Roséweine sind nicht zuletzt deshalb so beliebt, weil sie kein Tannin enthalten. Dies obwohl einige dunkle Roséweine (z.B. Bordeaux Clairet) 12 bis 24 Stunden Maischekontakt hinter sich haben. Die Erklärung dafür ist einfach: Farbe ist wasserlöslich und wird durch die Wärme der Gärung ausgelaugt. Tannin hingegen lösen sich hauptsächlich im Alkohol und dieser ist in den ersten Stunden und Tagen der Gärung noch sehr gering. Somit werden kaum Gerbstoffe aus den Schalen in den Most übertragen.

 

Das Färben von Weisswein mit Rotwein wäre die einfachste Methode, ist in der EU aber verboten. Einzige Ausnahme: Champagner kann so hergestellt werden. Wenn Sie aber einen Rosé aus Übersee kaufen kann es sein, dass beim Weisswein einfach 10%-20% Rotwein beigemischt wurde.

 

Es gibt grundsätzlich keine Regelung aus welchen Rebsorten Rosé hergestellt werden muss, Ausnahmen bestätigen die Regel. In der Schweiz ist Pinot Noir am häufigsten verttreten. Es gibt fruchtige, leicht restsüsse Rosés, die vor allem nach Erdbeere schmecken, genauso wie ernsthaftere Vertreter, die auch etwas frische Minze, Pfeffer oder Kräuter mitbringen.

 

Rosé ist aber nicht gleich Rosé und wie immer führen viele Wege nach Rom oder eben viele Herstellungsmethoden zum Rosé...

 

Direltpressung

Die dunklen Trauben kommen, häufig gleich mit den Stielen auf die Presse, wo sie langsam und schonend abgepresst werden. Durch den kurzen Schalenkontakt, in den grossen Horizontalpressen, kriegt der abgepresste Most seine blasse Farbe.

 

Die Maische-Methode

Die Trauben werden abgebeert, gemahlen und die Maische kommt in einen Gärtank. Die Gärung setzt ein, die Temperatur im gärenden Most steigt an und die ersten Farbstoffe werden aus den Schalen ausgelaugt. Nach kurzer Zeit (4 bis 6 Stunden) wird der rosa gefärbte Vorlaufwein von den Schalen getrennt und wie ein Weisswein fertig vergoren.

 

Die Saignée-Methode oder auch Saft-Abzug

Die roten Trauben werden samt Schale leicht angepresst und stehen gelassen. Doch noch bevor die Gärung beginnt, werden 10-20 Prozent des Saftes ohne Schalen abgezogen. Während die restliche Maische meist zu einem vollwertigen Rotwein weiterverarbeitet wird, wird der abgezogene Saft separat zu einem Rosé vergoren. Der Rosé ist bei dieser Methode nur das Nebenprodukt. Das primäre Ziel des Winzers ist ein kräftiger Rotwein. Denn wenn er Saft abzieht, bekommt der Rest, von den verbleibenden Beerenhäuten mehr Farbe und Tannin  ab.

 

Schiller (Rotling)

Beim Rotling wird ein Mischsatz aus roten und weissen Trauben gemeinsam eingemaischt und vergoren. Die weissen und roten Trauben müssen im gleichen Rebberg stehen und zur selben Zeit geerntet werden. Der Anteil roter Trauben muss grösser sein.

 

Oeil de Perdrix

Oeil de perdrix ist französisch und bedeutet «Rebhuhnauge». Ursprünglich stammt dieser Wein aus dem Kanton Neuenburg, wird aber heute in vielen Regionen produziert, da es die Neuenburger Winzer verpasst haben den Namen zu schützen. Erste Aufzeichnungen zum Oeil gibt es schon im 19 Jahrhundert. Ein Oeil muss zu mind. 90% aus Pinot Noir (Blauburgunder) bestehen. Hergestellt wird er mit der Masiche-Methode.

 

Blanc de Noirs (Direktpressung)

Blanc de Noirs heisst so viel wie „Das Weisse aus dem Schwarzen“. Das bedeutet, dass aus roten Trauben Weisswein hergestellt wird. Zur Erinnerung, das Fruchtfleisch bei roten Trauben ist genauso hell wie bei weissen Rebsorten.

Wenn also die Schalen gleich zu Beginn der Weinbereitung vom Saft getrennt werden, wird aus dem weissen Saft ein Weisswein. Manchmal hat auch ein Blanc de Noirs eine leicht dunklere, goldenere Farbe oder ein leicht rosanes Schimmern im Glas. Es bleibt jedoch ein Weisswein und ist kein Rosé.

 

Konsuamtionshinweise

Rosé sollte eher kühl getrunken werden (Kühlschrank) und rasch konsumiert werden. Wie lange ein Rosé gelagert werden kann hängt vom Produkt ab zwischen sofort trinken und 3 Jahren ist ideal.

 

Ein grosser Teil der Roséweine wird in Klarglasflaschen abgefüllt. Das ist zwar optisch schön, für den Wein ist Licht aber Gift. Denn Weine in Klarglasflaschen leiden nach wenigen Tagen am Tages- oder Kunstlicht unter dem so genannten «Licht-Geschmack». Deshalb mein Tipp: Kaufen Sie nie in einem Laden Rosé, der in Klarglas im Gestell steht. Lassen Sie sich die Flaschen immer aus einem Karton geben!

 

Nach der ganzen trockenen Theorie, am besten gleich testen!

Publikation: 03.04.2020

letzte Aktualisierung: 03.11.2020

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