Publikation: 07.04.19

letzte Aktualisierung: 24.10.19


PIWI-Rebsorten

Piwi (oder auch Hypriden, interspezifische Sorten oder neue Sorten) ist die Abkürzung für pilzwiderstandsfähig Rebsorten die eine Resistenz gegen Pilz- und/oder Fäulnis-Krankheiten aufweisen.

Piwi-Sorten sind gut für die Natur, da für den Anbau wenige oder garkeine Pestizide nötig sind. Auch auf das Spritzen von Kupfer kann teilweise verzichtet werden. Weniger Pestizid- und Fungizid-Einsatz bedeutet weniger Schadstoffe im Boden, weniger Fahrten mit den Maschinen was den Boden schont und Nützlinge im Rebberg schützt. Auch ökonomisch sind Piwi-Sorten von Nutzen den jeder Spritzvorgang der weniger gemacht werden muss spart Energie und Geld.

 

Piwi-Rebsorten enstehen durch die Kreuzung von zwei bereits bekannten Sorten. Das können konventionelle Rebsorten (europäische und amerikanische), Tafeltrauben oder bereits bestehende Piwi-Sorten sein. Das Ziel ist eine Resistenz gegenüber einer oder mehreren Krankheiten zu erhalten. Es wird so lange "gekreuzt" bis das gewünschte Ergebiniss erreicht ist. Das Kreuzen von Rebsorten ist ein natürlicher Vorgang und hat nichts mit Gentechnik zu tun, die im Bio verboten ist.

 

Nachdem die Rebsorte gezüchtet wurde, werden erste Feldversuche gemacht. Denn eine Rebsorte zu züchten ist das Eine aber ob sich daraus ein geniessbarer Wien keltern lässt, muss sich dann zuerst noch zeigen.

Ein Rebbauer baut die Traube an und Keltert einen Wein daraus. Wenn das Ergebnis so gut ist, dass es den Winzer überzeugt geht der Wein Reinsortig oder als Verschnitt/Cuvée in den Verkauf. Am Anfang haben diese Weine nur Züchtungsnummern, erst später erhalten sie ihre schönen Namen wie Bianca, Seyval Blanc oder Cabernet Jura.

 

Warum braucht es diese Sorten überhaupt? 

Viele der heute aktuellen und beliebten Sorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir, Riesling oder Chardonnay sind Krankheitsanfällig. Je anfälliger eine Rebsorte ist und je nach dem wo sie wächst muss mehr oder weniger Pflanzenschutzmittel und Pestizide eingesetzt werden. Was die Umwelt und später den Wein belastet. Da im Bio-Anbau syntetische Pestizide verboten sind und viel weniger und mit anderen Mitteln gespritzt werden darf, ist man auf Rebsorten angewiesen die eine möglichst hohe Resistenz gegen Krankheiten aufweisen. Ein weiteres Ziel ist den Kupfer-Einsatz im Rebbau zu verringern und in einigen Jahren Sorten zu haben wo ganz auf das schädliche Metall verzichtet werden kann.

Es gibt auch noch einen weiteren Grund warum mit Piwi gearbeitet wird. Der Klimawandel wird in eingien Jahren dazu führen, dass Rebsorten die heute gut ausreifen plötzlich zu früh reif sind oder viel Wasser brauchen wo durch die Erwärmung viel weniger Wasser vorhanden ist. Auch für solche Herausforderung versuchen Forscher und Züchter die richtigen Sorten zu finden.

 

Wie schmecken Piwi-Weine?

Was bei den heutigen traditionellen Sorten gilt, gilt auch bei den Piwi. Jede Sorte ergibt einen anderen Wein und nicht aus jeder Traube kann ein guter Wein gekeltert werden. Einige der Züchtungen die es in den Feldversuch und dann in die Flasche geschafft haben, sind nie auf den Markt gekommen weil die Weine dem Konsumenten nicht geschmeckt haben. Einige der Piwi sind aber schon gut im Markt verankert wie z.B. Seyval Blanc, Solaris bei den weissen Sorten sowie Regent, Cabernet Jura und Maréchal Foch bei den Roten. Leider sind diese noch viel zu wenig bekannt. Piwi-Weine verlangen auch vom Konsumenten Offenheit und Mut etwas neues zu Verkosten und sich vom gewohnten Alltagswein zu lösen.

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