Publikation: 04.05.19

letzte Aktualisierung: 04.05.19


Entstehung der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise

Die biodynamische Landwirtschaft ist eine Reaktion auf die Erfindung von Kunstdünger/Mineraldünger Mitte des 19. Jahrhunderts durch Justus von Liebig (1803 – 1873). Angepriesen als heilbringende Macht in der Landwirtschaft war es der Anfang der hochtechnisierten chemischen Landwirtschaft der industrialisierten Länder wie wir Sie heute kennen.

 

In den 1920 gab es erste Bauern, die mit der Qualität der Produkte nicht mehr zufrieden waren und diese fanden im Geistesforscher Rudolf Steiner (1862-1925) ihre Stimme. Vor 130 entsprechend denkender und fühlender Bauern hielt Rudolf Steiner zu Pfingsten 1924 sein bis Heute berühmte Rede auf Schloss Koberwitz bei Breslau (heute Polen).

Seine 8 Vorträge gelten bis Heute als Standardwerk der biodynamischen Landwirtschaft (in «Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft» nachzulesen). Rudolf Steiner gründete damals die Vorgängerorganisation des heutigen Demeter Verbandes und rief alle anwesenden auf, seine Ideen zu Hause zu erproben und umzusetzen. Bereits 1927 gab es die ersten biodynamischen Erzeugnisse auf dem Markt.

Für diese Produkte wurde die Bezeichnung Demeter (griechische Fruchtbarkeitsgöttin) gewählt und 1932 als Marke eingetragen. Seit 1930 spricht man von der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise.

 

Bereits 1930 gab es den ersten biologisch-dynamischen Hof in der Schweiz. Der Oswaldhof in Kasreuti südlich von Kreuzlingen am Bodensee, 1937 kam in Hünibach am Thunersee eine Gartenbaumschule dazu. 1937 taten sich Konsumenten und Forscher – nicht die Bauern – zum Produzentenverein für biologisch-dynamische Landwirtschaft zusammen. Bis 1997 waren alle Belange von Demeter in dessen Hand. 2018 wirtschaften in der Schweiz 305 Landwirtschafts-, Weinbau- und Gärtnereibetriebe nach der Methode der biologisch-dynamischen Landwirtschaft.

 

Demeter ist heute eine Internationale Organisation. Vertreten in 66 Ländern durch 19 Länderorganisationen. Lange Zeit war die Geschäftsstelle von Demeter International in der Schweiz. Heute befindet sich diese in Deutschland. Alle diese 19 Länderorganisationen verpflichten sich die Mindeststandards einzuhalten und sind frei regional striktere Richtlinien durchzusetzen.

 

Hinter einem biodynamischen-Produkt steckt eine ausdrücklich einzigartige geistige Ausrichtung und damit der Hauptunterschied zu einem biologischen Produkt. Das zeigt sich, wie der Landwirt mit Boden, Erde umgeht und wie Höfe strukturiert sind. Biologisch-dynamischer Landbau soll zur Gesundung von Menschen und seiner Lebenswelt beitragen und eine Kulturaufgabe sein.

 

Wem jetzt das etwas esoterisch vorkommt ist dem Ursprung schon sehr nahe. Zugrunde liegen die nicht ausgeschöpften Angaben aus Rudolf Steiners geisteswissenschaftlicher Forschung. Sie sind ein Teil was Anthroposophie ist. 

 

Anthroposophie (aus dem altgriechischen «Mensch und Weisheit») versucht die Menschheit und ihre Entwicklung spirituell und übersinnlich zu verstehen. Das bedeutet nicht, dass alle Demeter-Bauern Anthroposophen sind, sondern sie arbeiten auf sogenannten Hofindividualitäten, wenden die biodynamischen Präparate an und gehen mit Pflanzen und Tieren so um, wie es deren Natur beziehungsweise Wesen verlangt.

In der biodynamischen Landwirtschaft fasst man einen Betrieb als Organismus, sogar als Individualität auf, weil jeder Betrieb einzigartig ist. Von Betrieb zu Betrieb ist das Klima, Niederschlagsmengen, Vogel- und Insektenleben unterschiedlich. Jeder Landwirt gestaltet entsprechend seinen Vorstellungen und Möglichkeiten den Betrieb.

 

Quelle: Bildungsheft 6, Konsumenten Verband

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